von Philipp Sonntag | Schriftsteller
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Kultur in einer Vorstufe von Zivilisation (Talkshow 2121)
 
Upgeloaded von Philipp Sonntag, einem humankörperlich planetgebundenen Lebewesen, alias „Zeitmaschinennavigator Phila“, stammt diese Aufzeichnung einer Talkshow aus dem Jahr 2121 (n. Chr.). Das ist, wie es jeder aktive Zeitmaschinennavigator gerne bestätigen wird, rund tausend-fünfhundert Jahre vor Ende des finsteren Mittelalters.

Al Schnucki ben Hacki ibn Kabelsalat: Ich begrüße die honorigen Gäste im Fern-Spüren:

  • Julia Shrubainu, Journalistin des „Behörden Spiegel“,
  • Hans Durst, einen virtuellen Historiker, der auf Grund der schematischen Geflissenschaftlichkeit eines menschlichen Historikers dessen Arbeit als KI-Software kostensparend übernehmen konnte,
  • Mninnselschusch (divers), Geheimdienst der VH (Vereinte Hybride), Hybrid von Insekt mit Roboter, mit Bakkalaureat aus Princeton.
  • Rupplahubb Swush, einen Schüler von der Polarinsel der Eskimos, und
  • Phila, Zeitmaschinennavigator, alias Prof. Dr. phil. (Profundus Dieter Philipp) Gatnnos,

Wir möchten heute mehr über die Kultur der Lebewesen auf Planet Erde verstehen. Wie konnte ein sogenannter „Mensch“ meinen, er allein hätte Kultur?

Julia: Es kann hundert Jahre dauern, bis eine wissenschaftliche Erkenntnis endlich in Gesetzen und praktischen Verordnungen berücksichtigt wird. Es war jahrzehntelang bekannt, dass die Gene der Schimpansen zu 98% mit denen der Menschen übereinstimmen, aber „Das Tierische“ in den Entscheidungen von Politikern wollte man lange nicht wahrhaben, obwohl es jeder sehen konnte.

Hans: Jeder Mensch, jeder Staat braucht sein Revier. Schon Hunde und Katzen waren frech fordernde Migranten, die ohne diese menschliche Zivilisation alles vollgeschissen hätten.

Mninnselschusch: Quatsch, für Katzen sind wir Menschen hingebungsvolles Pflegepersonal. Außerdem, kein Schimpanse, überhaupt kein Säugetier wollte mit den Klima-Verbrechen und der Gewalt von Menschheit etwas zu tun haben.

Rupplahubb: ja sicher, die schlimmsten Verbrecher wurden auf eine Polarinsel verbannt. Sobald sie kameradschaftlich fair wurden, auch mit Typen außerhalb der eigenen Gruppe, da durften sie sich „zu Hause“, von wo sie hergeschickt worden waren, um Asyl bewerben.

Al Schnucki ben Hacki ibn Kabelsalat: Klar, es hatte lange gedauert, bis die umständliche Wissenschaft mitsamt Mainstream anerkannte, wie Tiere und teils sogar Pflanzen ganz ähnlich fühlen, hoffen, sich ängstigen, wie die Menschen.  

Hans: Wenn das so weitergeht, dann haben am Ende auch noch Kieselsteine diese „Existenz-Rechte“, die mal ganz brauchbar als Menschenrechte begonnen hatten.

Mninnselschusch: Menschenrechte mussten erst von uns so richtig etabliert werden, weil Menschen untereinander sich gegenseitig massakrierten. Peinlich, oder nicht? Da mussten wir was tun.

Phila: Was tun? Das Problem wurde deutlich mit der Verletzung von „Ich bin ich“, wie von einem Typ „Snowden“ behauptet wurde. Was jemand sein durfte, wie jemand wahrgenommen wurde, das regelten Geheimdienstler und Bürokraten.

Hans: Das hat Gründe. Der kulturell allzu freie Mensch ist eine Gefahr für die Stabilität jeder Gesellschaft.

Rupplahubb: Eine Gesellschaft ohne Kultur wäre bald verschwunden, da kommt jegliche „Gefahr“ dann sowieso zu spät.

Julia: Das gibt es ganz real. Der virtuelle Spätkannibalismus, die ritualisierte Vernichtung seiner Identität, die ist längst amtlich anerkannt und kontrolliert. Jeder Mensch ist registriert und überwacht.

Phila: Wie hat das die Rolle der Kultur verändert?

Mninnselschusch: Wir züchten Edelterroristen, die Gewalt verabscheuen (wendet sich an Phila), dieses www.edel-terroristen.de das stammt doch angeblich von dir?

Phila: Ja schon, es waren mehr so Mode-Erscheinungen, dass plötzlich 300.000 in Bonn gegen Atombomben protestierten, ähnlich der Klima-Protest der „Extinction-Rebellen“, betuliche Bürger, die sich irgendwann daran erschreckten, dass ihre Ur-Enkel CO2 statt Sauerstoff atmen müssten – ein paar Monate vorher waren sie noch Mainstream-Abwiegler gewesen. Was half, waren die „Edelterroristen“, die hatten sogar eine für alle sichrbare Website.

Al Schnucki ben Hacki ibn Kabelsalat: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, haben wir in der Schule gelernt. Könnte sein, dass Kultur meistens zu spät kommt, bestenfalls im „letzten Moment“?

Phila: Viel zu gefährlich – sogar für die Kultur selbst.

Hans: Kultur ist erst mal ein Störfaktor. Sobald man sie zur Weltrettung manipuliert, ist sie futsch. Bestenfalls kann sie ein Ventil sein, zum Ausagieren der Spannungen, für den gestressten Menschen.

Mninnselschusch: Da bewegen wir uns auf Glatteis.

Rupplahubb: Pinguine können das, ganz vornehm mit Frack.

Julia: Würden die sich auf dem Glatteis streiten, dann gäbe das ein Chaos.

Mninnselschusch: Wir müssen endlich anerkennen, dass wir uns in einer Vorstufe einer eventuellen Zivilisation befinden. Das ist wie Glatteis. Wir können das nicht einer gemächlichen Evolution überlassen. Eine gewisse Ordnung muss sein.

Al Schnucki ben Hacki ibn Kabelsalat: Was sagt denn unsere Jugend dazu?

Rupplahubb: Was streitet sind verschiedene Rassen, Gewohnheiten, Regionen, Kulturen, die einander fremd sind. Überraschend löst Esperanto diese Versklavung der Menschen auf.

Hans: Wie soll das denn gehen? OK, nach den letzten atomaren und anderen Katastrophen, war Amerikanisch out. Ich habe nie verstanden, wieso danach so eine Kunst-Sprache viele überzeugen konnte.


@ Philipp Sonntag 2020
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