Lebendigkeitsneid - Soziologie mit Kafka

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Lebendigkeitsneid

Der Mensch der Zukunft wird sich immer mehr einer selbstständig agierenden Technik gegenübergestellt sehen. Roboter, generell Maschinen mit künstlicher Identität, zeigen provokativ einen Lebendigkeitsneid. Sie sehen sich in Konkurrenz mit spürfähigen Lebewesen, insbesondere Menschen. Sie überlegen, ähnlich wie Menschen, inwieweit funktional eine künstliche Lebendigkeit „nur" aus besonderer Beachtung ausgewählter Schaltzentralen für kritische Probleme besteht. Kafkaesk wäre ein Eindruck, dass zusätzliche Qualitäten wie Schmerz keine oder nur eine geringe Veränderung oder gar Verbesserung der Ergebnisse bewirken würden. Reaktionen könnten auch ohne Schmerz rein funktional optimiert werden. Dies könnte simuliert weitgehend, aber nie auf natürliche Weise gelingen und bliebe daher immer unheimlich. Mit Kafka würde es Alarm auslösen. Trotzdem wird die herstellbare Option funktional eine Bedeutung erlangen und industrialisiert einen Markt eröffnen. Viele Menschen, die sich so einer künstlichen Identität mit laufend neuen Qualitäten gegenüber sehen, werden dem Reiz erliegen. Spielerisch is da in Ordnung, aber sie bräuchten ein Gespür für echte natürliche und nur scheinbar echte, kafkaesk künstliche Identität. Mangelndes Gespür für Kafkaeskes kann nicht zuletzt zu Zweifeln an der eigenen Identitätsqualität und Individualität führen.

Eine Vorstufe: Verbindungen der Hardware, durch die speziell schmerzgeprägte Informationen fließen, und identitätsfördernd wirken, wurden im Rahmen des neurologisch-kybernetischen Modells „Cayenne" als die „rot lackierten Drähte" (mit Vorrang der dort fließenden Ströme) bezeichnet, siehe Projekt 33 auf http://www.ifiat.org/projekte.html

Die zukünftige Entwicklung zeigt weit darüber hinaus eine emotional immer anschaulichere  Verschmelzung von Informationsverarbeitung und Lebewesen. Im utopischen Exkurs kann dies so aussehen:
Bericht von Zeitmaschinennavigator Phila:  
Al Schnucki ben Hacki ibn Kabelsalat vom „IKE - Institut für Künstliche Emotion", einem Institut der c-base Berlin, ist Leiterin der Abteilung für Lebendigkeitsneid des Roboters. Im Interview sagte sie:
„Auch ich wurde mit zwei Beinen und richtigen Füßen, dazu mit menschlichem Gesicht ausgestattet, vor allem wie heute üblich mit einem Klatsch Bio-Bewusstseinsmaterie dabei, also mit echten, lebendigen Gefühlen. Da kann ich Software mit Spielfreudemodulen absondern – so wie der Mensch nach Tucholsky seine Lyrik. Die Entwicklung hatte mit einer Anregung aus dem Modell Cayenne begonnen: Ein Regenwurm wurde neuronal an einen Roboter gekoppelt. Wenn der Regenwurm sich nicht wohl fühlte, geriet der Roboter in Alarm, suchte hektisch nach Lösungen."

 
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