von Philipp Sonntag | Schriftsteller
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TierSex - Sex im Jahre 2307 (Talkshow 2307)
 
Aufzeichnung 2012 vom Zeitmaschinennavigator "phila" der c-base, Berlin; Bericht über eine Talkshow, nach Über (mäßiger Be) -arbeitung durch die transgalaktische Zensur, für die zarten Gemüter 2012 daher vorerst nur in Form dieses Berichtes verfügbar. Bitte Geduld, spätestens 2307 wird die Talkshow sowieso für jeden frei verfügbar geworden sein werden.

Dieser 2307 endlich nicht mehr nur rein futuristische Beitrag zum Humankapitalismus steht in der Tradition der Erkenntnis aus dem Jahre 2100, dass die Unnatürlichkeit exakt mit dem Menschen begann, und man konnte das zu diesem Zeitpunkt schon mal so geflissenschaftlich "viel oh soff isch" betrachtet voraus ahnen. Humankapitalismus war so gesehen geschichtlich der Versuch, genüsslich Unnatürliches als natürlich zu verkaufen. Entfremdung verschärft sich mit dem technischen Fortschritt laufend munter weiter, indem einzelne humane Eigenschaften genetisch überselektiert werden, wie früher die Arbeitsteilung. So gesehen lebten wir lange in der „guten alten Zeit“ einer noch teilweise echten Menschlichkeit. Ich sehe also die Dinge momentan weit weniger kritisch als die meisten, empfehle aber für die Zukunft eine wache Begleitung modernster Techniken.

Aufzeichnung einer Talkshow im Jahre 2307:

Die Moderatorin Pabla Rudeno führte die Zuschauer kurz ein:

Ich begrüße Sie zu unserer Talkshow in einem virtuell-modernistischen Altersheim auf dem künstlichen Mond "Rosa Luxemburg". Da sich Knochen und Muskeln dort rasch zurückbilden, werden Nahrungskosten gespart und wir Alten dösen genüsslich und schwerelos in wohltemperierten Wohlfühlwannen. Das ist Neo-Humanismus in technisch gepflegter Reinkultur. Drei der vier Alten unserer Talkshow sind frühzeitig im Alter von 37 Jahren verrentet worden, ähnliches gilt für einen Roboter der Arbeiterklasse in unserer Diskussionsrunde, der sich noch mit der Handhabung von wuchtiger Materie beschäftigt hatte. Ich begrüße herzlich und motorlich unsere fünf Diskussionsteilnehmer, indem ich an jeden zugleich eine erste Frage richte.
Also, willkommen Neo-Zwitter Karlao; es heißt ja nicht mehr "Ladies First" seitdem Neo-Zwitter gentechnisch mit allen Geschlechtsorganen ausgestattet werden, also mit weiblichen, männlichen, sowie mit weiteren experimentellen und doch längst bewährten. Neo-Zwitter stehen mit an der Spitze der konstruktiven Varianten der menschlichen Spezies. Sie sind gesellschaftspolitisch agil. Mit Ihnen begrüßt man die 'spätmenschliche' Periode - Karlao, war "spätkapitalistisch" schon eine vergleichbare Vorahnung?
Karlao: Karl Marx hatte verkündet: "Jedem nach seinen Bedürfnissen". Das gab viel Streit. Heute kann jeder die Umstände seinen Bedürfnissen anpassen und ebenso seine Bedürfnisse den Umständen, mit Wohlfühlgarantie.

Moderatorin
Prof. Dr. sexualis (Ernest Bornemann Lehrstuhl in Ffm)
Sozialarbeiterin in einem Brandenburger Gefängnis
Migrant (Soziales Bordell)
Indische Meditationsmeisterin (Kamasutra Institut Delhi)
Zwitter (Verlag für das dritte und vierte Geschlecht)
Biogenetikerin (Innova Sexualis GmbH) (Hundehaut, beide Genitalien und neue, ...)
Identitätsanwalt (Ministerium für Identitätsschutz)


Higrumat:

Freiheiten der Zukunft

  • sollen das Wohl für alle Beteiligten beachten; Grundsatz ist, dass Sex auf liebevoller Zuwendung im Austausch beruht, keiner soll den anderen „benutzen“
  • können willkommen sein, obwohl sie aus heutiger Sicht sehr frei bis verboten sind.  Es gibt Risiken, die benannt und erkennbar vermieden werden können, so dass kein oder selten Schaden entsteht, insgesamt weit weniger Schaden als heute
  • bei denen die Gesellschaft profitiert, weil sie entspannter und natürlicher reagieren kann
  • insbesondere geht es  bei Religionen einerseits um Überwindung von Unterdrückung, Bevormundung, künstlicher bis paranoier Angst vor Sünde und andererseits um aus religiöser Erfahrung gewonnener Ethik, welche hilft, Gefahren für den Einzelnen und die Gesellschaft zu vermeiden
  • Kinder sollen ausgewogen frei und behütet aufwachsen: es gibt ein Recht auf natürliche Entwicklung, der jeweiligen Altersstufe angemessen
  • Es soll kein Tabu geben – artgerechter Umgang mit Tieren, Sadisten, Pädophilen usw. soll im freiheitlichen Ansatz jegliches Leiden bei diesen und ihren Partnern vermeiden; dazu gehört die moderne Prävention einer rundum freien Gesellschaft
  • Übergangsprobleme von heute zur freien Gesellschaft sollen realistisch angesprochen werden.

Modellszenen mit Tieren:

  • Eine artgerechte Umgebung wäre eine erotische Tierfarm mit einer artgerechten Wohnung für jedes Tier bzw. jede Tierfamilie. Man beachte z. B. die Berichte über die Raumaufteilungen von Schweinen für die unterschiedlichen Lebensfunktionen, was zu einer Wohnung wie bei Menschen führt.
  • Sexuelle Partnerschaft in Harmonie liegt nur nahe, wenn ein Mensch eng mit den Tieren lebt. Da die Betreuung ein richtiger „Job“ ist, kann es nicht nebenbei, z.B. in einer Stadt geschehen.
  • Wer an Sex mit Tieren interessiert ist, kann einen Service auf einer erotischen Tierfarm bekommen, wobei er sich artgerecht für das Tier einfügen muss; er wird quasi vorübergehend in die Familie aufgenommen, vermutlich mindestens für ein Wochenende, wenn er sich aktiv beteiligen will; für Show sind auch kurze Besuche geeignet
  • Hygiene, Vermeidung von Krankheiten, Tierschutz, Ökologie – es gibt viel zu beachten
  • Hunde sind weitaus am besten geeignet, wenn es um wechselseitige Anpassung und Akzeptanz geht. Die beachtliche Vielfalt der Hundetypen, auch emotional, bringt viele erotische und sexuelle Optionen mit sich.
  • Katzen, Vögel, exotische Tiere sind für intensiven gemeinsamen Sex weitgehend ungeeignet; ein „Rubbel die Katz“ ist bei der rolligen Katze goldrichtig, bringt aber dem Menschen mehr soziale als selbst sexuelle Befriedigung; eine Katze hat kein Interesse an menschlichen Geschlechtsteilen – sie wird vielleicht in der Hitze verschwitzte Haut lecken, aber wiederum mehr sozial als sexuell; eine aufs Kreuz drückende Hand kann beim Huhn den Gockel simulieren, wiederum ist der Spaß weitgehend einseitig; Schlangen können eine exotische Sado-Maso Show bereichern, wenn sie mit den Schauspielern eingeübt und harmonisch sind, Sexuelles kann beim Zuschauer immerhin angeregt, jedoch in der Regel nicht mit dem Tier ausagiert werden
  • Schweine können wie Hunde in intensiver sexueller Gemeinschaft mit Menschen leben, dies kann jedoch vermutlich auch mit Belohnungen nicht leicht auf Besucher übertragen werden, und ist wegen den massiven Körpern gefährlich, es braucht Gewöhnung aneinander.
  • Große Tiere wie Pferde können zwar masturbiert werden, sind aber zu wechselseitiger Befriedigung selten geeignet; es gibt Partnerschaften zwischen verschiedenen Tierarten auf der Basis der oralen Stimulierung, auch Versuche von Tieren mit ihren menschlichen Betreuern in so eine Beziehung zu kommen, siehe Bornemann: Lexikon der Liebe.
  • Tiere wie Schafe und Ziegen sind erprobt und geeignet, zumindest die weiblichen Tiere. Bei Böcken ist die Eigenwilligkeit schwer zu bändigen und eine Verletzungsgefahr. Schafe sind sehr geduldig, können eindrucksvoll verliebt schauen, auch zum Menschen.
  • Insekten sind in Europa und USA unüblich als Partner. In Japan sind in gewöhnlichen Pornoheften Insekten als aufreizende und quälende Tiere bei gefesselten Menschen ein beliebtes Thema. Schauspieler und Insekten können bei entsprechendem Training für Shows interessant sein, ebenso bei ausreichender Kontrolle für Masochisten.
  • Bei Fischen passt Sex vom Verhalten nicht. Es gibt jedoch Unterwassertiere, die zum Streicheln beliebt sind, wobei sie Berichten zufolge jedoch oft überfordert werden.
  • mit Robotern können künstliche Tiere, Aliens, Fantasy Figuren simuliert und dabei gezielt sexuell ausgerichtet werden. Dabei können Phantasien, die mit Tieren nicht realisierbar sind, kundenfreundlich und gefahrlos umgesetzt werden. Eine Roboterwerkstatt kann flexibel auf spezielle Kundenwünsche eingehen.
  • Züchtung und Gentechnik eröffnen weitere Optionen für eine Berücksichtigung menschlicher Phantasien, Sehnsüchte, Herausforderungen und Erfüllungen.

Talkshows: Ausgangslage ist die harmonische und artgerechte Begegnung mit Tieren. Es ist eine lockere Erfahrung, ebenso eine genüssliche, gesunde, gesellschaftlich wohltuende Erfahrung, die hilft, effektiv Spannungen aus der Gesellschaft heraus zu nehmen. Dies hat sich nach den Eingewöhnungen stabil entwickelt, mit Erinnerung an anfangs noch Gewöhnungsbedürftiges.



@ Philipp Sonntag 2020
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