von Philipp Sonntag | Schriftsteller
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Fahrlässig vorsätzlich

Wenn Max und Moritz die Brücke ansägen und dann vergnüglich einen braven Bürger provozieren, mit "Schneider Meck, Meck, Meck", dann machen sie sich über die Folgen wenig Gedanken. Schon stürmt der Schneider über die Brücke und da könnte er sich ja leicht ein paar Knochen brechen. Leider gibt es bitter ernste Varianten. Die Berliner Gefängnis-Zeitung Lichtblick berichtet seit vielen Jahren über die verheerenden Zustände in Gefängnissen weltweit. Die sind dort politisch "geduldet bis gewollt", will sagen Politiker und Verwalter vor Ort schwelgen durchaus in genüsslicher Schlamperei, in "diese Insassen haben es verdient, denen geschieht es ganz recht". Ganz Recht? Nein, aber trotzdem gelingt es locker mit einem sich lässig fahrlässig einstellendem Gewohnheitsrecht, welches bekanntlich jegliches andere Recht brechen kann. Schlechte Gewohnheiten sind nun mal penetrant, das ist doch zumindest bei Primaten eine Art Naturgesetz.


@ Philipp Sonntag 2020
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